Kolloquium „Fördertechnik im Bergbau“ – 220 Fachleute zu Gast
Die Branche will sich auch durch Trump‘sche Zollpolitik nicht von ihrer innovativen, internationalen Ausrichtung abbringen lassen.
Der Einfluss von Donald Trump reicht bis zum Kolloquium „Fördertechnik im Bergbau“ der TU Clausthal. Bei der 12. Auflage der wissenschaftlichen Veranstaltung beschäftigte sich der erste Keynote-Vortrag mit dem Thema „Präsident Trump und der Import von Bergbaumaschinen“. „Willkür und Unsicherheit haben aufgrund der US-Zollpolitik Einzug gehalten in den Handel mit den Vereinigten Staaten von Amerika“, sagte Stephan Oehme vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) vor 220 Teilnehmenden in der Clausthaler Aula Academica.
Deutsches Know-how in der Fördertechnik international gefragt
Beim Blick auf die Exportzahlen von deutschen Bergbaumaschinen in die USA stellte Oehme allerdings überraschenderweise fest: „Das ist im Moment gar nicht so dramatisch. Der Export hat 2025 im Vergleich zu 2024 sogar leicht zugelegt.“ Auch wenn der Trump-Effekt hier noch nicht negativ durchschlägt, rät Oehme angesichts der ungewissen Zukunft: „Wir werden nicht darum herumkommen, selbstständiger zu werden sowie neue Märkte und Partner zu erschließen.“ Zum Beispiel Indien. Der Subkontinent will künftig Seltene Erden abbauen und habe deshalb Kontakt zum VDMA aufgenommen. Es bestehe Interesse an deutschem Know-how in der Fördertechnik. Zugleich merkte Oehme an: „Wir haben auch hierzulande Bodenschätze. Aber die Genehmigungsverfahren für den Abbau müssen schneller werden, damit wir mit dieser Riesenaufgabe anfangen können.“
Mut zu Veränderung und Innovation: Dies hatte auch Prof. Oliver Langefeld von der TU Clausthal bei der Eröffnung des Kolloquiums angesprochen: „Die Zukunft wird nie störungsfrei sein und das war sie auch nie, aber wir müssen die Herausforderung annehmen, sonst gibt es keine Weiterentwicklung. Die Förderung von Nachwuchskräften für die internationale Bergbauindustrie ist mir sehr wichtig.“ Das Team um Bergbau-Experte Langefeld vom Institute of Geotechnology and Mineral Resources (Department of Mining) hat die zweitägige Veranstaltung organisiert. Seit 2003 findet sie im zweijährigen Rhythmus statt. Den Erfolg des Kolloquiums betonten in ihren Grußworten auch der hauptberufliche TU-Vizepräsident Dr. Michael Müller-Bahns („zur Institution geworden, die für Nachhaltigkeit steht“) und Clausthal-Zellerfelds Bürgermeisterin Petra Emmerich-Kopatsch („hochkarätiges Event“).
Kreislaufwirtschaft als Motor für Innovationen
Die fachliche Seite stand dann ab der zweiten Keynote wieder im Mittelpunkt, die den im Vorjahr verkündeten Clean Industrial Deal adressierte. „Die EU-Ebene setzt damit – neben dem Klimaschutz – auf eine bessere Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit und der klassischen Industrien“, erläuterte Prof. Walter Frenz (RWTH Aachen). Beim vorausgegangenen Green Deal der EU habe noch der Klimaschutz dominiert. Bei der Verwirklichung des nun aktuellen Clean Industrial Deal, so Frenz, kommen der Kreislaufwirtschaft und der Gewinnung von Rohstoffen, also zentralen Forschungsthemen der TU Clausthal, eine wesentliche Bedeutung zu. Gerade die Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) sei ein Motor für Innovationen.
Bei den folgenden 16 Fachvorträgen zu technischen Neuerungen bei der Materialförderung im Bergbau flossen auch Thema wie KI und internationale Projekte ein. So sprach Sandra Nowosad, die in Clausthal studiert hat und heute an der australischen Curtin University (Perth) forscht, über „Rohstoffprojekte in Westaustralien und Perspektiven für die Zulieferindustrie“. Abgerundet wurde das Kolloquium durch eine Firmenausstellung und einen Bergmännischen Abend. Im nächsten Jahr trifft sich die Branche wieder in Clausthal – dann am 3./4. Februar zum Kolloquium „Bohr- und Sprengtechnik“.
Kontakt:
TU Clausthal
Pressesprecher
Christian Ernst
Telefon: +49 5323 72-3904
E-Mail: christian.ernst@tu-clausthal.de
Die Auswirkungen der Zollpolitik von US-Präsident Trump analysierte Stephan Oehme vom VDMA. Eröffnet hatte das Kolloquium zuvor Prof. Oliver Langefeld (TU Clausthal). Zu den Vortragenden gehörten auch Sandra Nowosad von der australischen Curtin University sowie Prof. Walter Frenz (RWTH Aachen). Fotos: Christian Ernst