Europäisches Robotiknetzwerk für Embodied AI startet an der TU Clausthal
Mit der CORE-Labs-Initiative baut die TU Clausthal mit Partnern in Rumänien und Rostock eine verteilte Laborplattform für humanoide und kognitive Robotik auf – und stärkt damit auch ihr Profil für den neuen Studiengang AI Engineering.
An der Technischen Universität Clausthal entsteht ein europäisches Forschungs- und Lehrnetzwerk für humanoide und kognitive Robotik. Die Forschungsgruppe CORE – COgnitive SoftwaRE – am Institute for Software and Systems Engineering (ISSE) hat gemeinsam mit der Babeș-Bolyai University in Cluj/Klausenburg (Rumänien) und der Universität Rostock die CORE-Labs-Initiative gestartet. „Ziel ist eine verteilte Laborplattform für Embodied AI – also für Künstliche Intelligenz, die über Roboter in der realen Welt wahrnimmt, entscheidet und handelt“, so Prof. Christian Bartelt, Leiter der CORE-Forschungsgruppe. Bei einer Auftaktveranstaltung ging an der TU Clausthal das erste Labor dieses europäischen Netzwerks offiziell in Betrieb.
TU Clausthal stärkt ihre Kompetenz im Zukunftsfeld KI
„Mit der CORE-Labs-Initiative stärkt die TU Clausthal ihr Profil in einem strategisch wichtigen Zukunftsfeld“, sagt Prof. Joachim Deubener, Vizepräsident für Forschung und Transfer der TU Clausthal. „Hier verbinden sich KI-Forschung, internationale Kooperation, moderne Forschungsinfrastruktur und projektbasierte Lehre. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie universitäre Forschung neue Impulse für Wissenschaft, Transfer und die Ausbildung künftiger Fachkräfte setzen kann.“
Embodied AI, auf Deutsch etwa „verkörperte Künstliche Intelligenz“, beschreibt KI-Systeme, die über Sensoren, Aktoren und Roboterkörper mit der physischen Welt verbunden sind. Während viele bekannte KI-Anwendungen Texte schreiben oder Daten analysieren, müssen Roboter zusätzlich sehen, greifen, fahren, ausweichen, mit Menschen interagieren und ihre Handlungen an wechselnde Situationen anpassen. In den CORE Labs werden dafür KI-Systeme für Umgebungswahrnehmung, Situationsinterpretation und Handlungsplanung erforscht. Eine wichtige Rolle spielen große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) und Vision-Language-Action-Modelle (VLAs), die Sprache, Bilder und Handlungen verknüpfen. Maschinen sollen dadurch Aufgaben im jeweiligen Kontext verstehen – und nicht nur feste Befehle ausführen.
KI-Methoden so in Roboter integrieren, dass sie ihre Umgebung verstehen
„Unser Schwerpunkt liegt auf der kognitiven Software“, sagt Prof. Bartelt. „Wir erforschen, wie KI-Methoden so in Roboter integriert werden können, dass diese ihre Umgebung verstehen, Handlungen planen und auch mit Situationen umgehen können, die bei der Programmierung nicht im Detail vorhergesehen wurden.“ Eingesetzt werden im Clausthaler CORE Lab unter anderem ein humanoider Roboter, ein autonomer Transportroboter sowie eine Versuchsumgebung, in der Augmented Reality mit Robotergreifarmen kombiniert wird. Die Systeme dienen als Basistechnologien, auf denen neue KI-Methoden, Softwarearchitekturen und Integrationskonzepte erprobt werden.
Die CORE Labs sind als verteilte Plattform angelegt. Außer in Clausthal entstehen Labore in Klausenburg und Rostock. „Die CORE Labs verbinden europäische Universitäten über gemeinsame Experimente, technische Plattformen und Lehrformate“, sagt Dr. Christian Săcărea, Prorektor der Babeș-Bolyai University. „Für Studierende und Forschende entsteht damit ein Netzwerk, in dem Zukunftstechnologien grenzüberschreitend entwickelt, erprobt und verstanden werden können.“ Die Universität Rostock ist in der Initiative durch Prof. Stefan Lüdtke vertreten. Die TU Clausthal positioniert sich darin als sichtbarer niedersächsischer Wissenschaftsstandort für humanoide und kognitive Robotik mit europäischer Ausstrahlung.
Die Krankenhauslogistik ist ein Anwendungsgebiet
Ein erster Anwendungsschwerpunkt liegt in der Krankenhauslogistik und medizinischen Assistenz. Im Projekt „MediCar4.0“ werden autonome Systeme untersucht, die etwa Laborproben, Medikamente, Wäsche oder Speisen in Krankenhäusern transportieren und so medizinisches Personal entlasten können.
Die CORE Labs sollen nicht nur der Forschung dienen, sondern auch in der Lehre eingesetzt werden. Besonders geeignet sind projektbasierte Formate, in denen Studierende reale Embodied-AI-Systeme entwickeln, testen und bewerten. An der TU Clausthal passt die Initiative insbesondere zum neuen Bachelorstudiengang AI Engineering, der zum Wintersemester 2026/27 startet. Der Studiengang verbindet Ingenieurwissenschaften von Beginn an mit Künstlicher Intelligenz.
Weitere Informationen
CORE-Forschungsgruppe TU Clausthal
Kontakt
TU Clausthal
Stabsstelle Presse, Kommunikation und Marketing
E-Mail: presse@tu-clausthal.de