Bundesweite Förderlinie „Urban Mining“ wird von TU Clausthal koordiniert
Ziel der 14 Teilprojekte ist die systematische Rückgewinnung von Rohstoffen aus bereits genutzten Gebäuden und Infrastrukturen.
Milliarden Tonnen an Materialien liegen hierzulande brach: zum Beispiel in ungenutzten Gebäuden, Straßen und langlebigen Gütern sowie in Bauresten, Schlacken und bergbaulichen Rückständen. Jährlich kommen zu dieser gewaltigen Menge in Deutschland zehn Tonnen pro Einwohner hinzu. Diese Bestände an Sekundärrohstoffen gilt es volkswirtschaftlich zu nutzen. Das ist das Ziel der Fördermaßnahme „Urban Mining – Erschließung anthropogener Lager als Rohstoffquelle“ des Bundesforschungsministeriums. Das Vernetzungs- und Transfervorhaben zu Urban Mining – TUrMin – wird von der TU Clausthal geleitet. Partner ist das Öko-Institut. Die zweitägige Auftaktveranstaltung zu TUrMin hat zu Beginn des Sommersemesters an der Harzer Universität stattgefunden.
Die Initiative Urban Mining – wörtlich übersetzt: „städtischer Bergbau“ – ist Teil der Strategie „Forschung für Nachhaltigkeit“ (FONA) des Bundesforschungsministeriums. Grundidee ist es, die in Siedlungs- und Infrastrukturbeständen gebundenen Materialressourcen systematisch zu erschließen und wieder in wirtschaftliche Stoffkreisläufe zu integrieren. „Die Forschung der TU Clausthal beschäftigt sich mit Technologien und Methoden zum nachhaltigen Management der Ressourcen Material – Energie – Information und greift dabei das Konzept der Circular Economy, der Kreislaufwirtschaft, auf. Vor diesem Hintergrund passt das Vernetzungs- und Transferprojekt zu Urban Mining bestens an die TU Clausthal“, sagt Universitätspräsidentin Dr.-Ing. Sylvia Schattauer.
Projektkoordination am IGMR angesiedelt
Im Fokus der Förderung stehen innovative Ansätze zur Rückgewinnung, Aufbereitung und Wiedereinbindung mineralischer Stoffströme aus Bauwerken, Infrastrukturen und industriellen Ablagerungen. Durch interdisziplinäre Verbundprojekte aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis sollen neue Technologien und Methoden entwickelt werden, die die nachhaltige Nutzung dieser anthropogenen Rohstofflager ermöglichen. Zugleich wird die Versorgung mit inländischen Ressourcen gestärkt. „Ihre Forschungsansätze und Projektideen haben die geförderten Verbundvorhaben bei der Auftaktveranstaltung im CUTEC-Gebäude der TU Clausthal vorgestellt“, berichtet Henrike Franke. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institute of Geotechnology and Mineral Resources (Department of Geosciences) koordiniert zusammen mit dem Öko-Institut das Urban-Mining-Begleitprojekt. Dazu zählt auch die Öffentlichkeitsarbeit, die Identifikation von Querschnittsfragen und die anschließende Ableitung von Handlungsempfehlungen.
Das Förderprogramm läuft bis Oktober 2029. Aufgeteilt sind die insgesamt 14 Einzelprojekte (Gesamtfördersumme 19,4 Millionen Euro) in drei Themenbereiche:
- Wirtschaftliche Erschließung ungenutzter Sekundärrohstoffpotenziale aus Bergbau- und Hüttenhalden, Schlacken, Müllverbrennungsaschen, Filterstäuben und -schlämmen
- Wirtschaftliche Erschließung ungenutzter Sekundärrohstoffpotentiale aus Gebäuden, Infrastruktur und langlebigen Gütern
- Innovative Instrumente für die ressourceneffiziente Planung und Bewirtschaftung anthropogener Lager
Teilprojekt bezieht sich auf die Bergeteiche am Rammelsberg
Einzelne Vorhaben sind zum Beispiel das mit Beteiligung der TU Clausthal durchgeführte Projekt „ReTail – Recycling der kompletten Tailings des Bergeteichs des Erzbergwerks Rammelsberg“ oder „Mixed-Reality- und vertrauenswürdiges KI-basiertes Assistenzsystem zur Einschätzung von Werten anthropogener Lager und Kosten von Erschließungsprozessen in der Kreislaufwirtschaft“.
Kontakt:
TU Clausthal
Pressesprecher
Christian Ernst
Telefon: +49 5323 72-3904
E-Mail: christian.ernst@tu-clausthal.de
Innovative Ansätze bei der Rückgewinnung von Rohstoffen etwa aus alten Gebäuden und Straßen stehen in der Förderlinie „Urban Mining“ im Fokus. Die Verantwortlichen der 14 Teilprojekte haben sich zum Auftakt an der TU Clausthal (CUTEC-Gebäude) getroffen. Fotos: Ayke Bücher, @Gorodenkoff - stock.adobe.com