Kooperation mit Braunschweiger Bracke-Schule trägt Früchte

Clausthal-Zellerfeld. Die Aufgabe ist knifflig: Welche essbare Substanz verbirgt sich in einem Pulver, das aussieht wie Asche? Nach ein paar Minuten haben die Oberstufenschüler, die in Kittel und mit Schutzbrille im Uni-Labor tüfteln, weiße Kristalle herausgefiltert. Wieder einige Minuten später ist das Problem gelöst. Es handelt sich um geruchsintensive Benzoesäure, mit der Lebensmittel konserviert werden. Solche und ähnliche Fragen lösten dieser Tage 22 Schüler aus dem Chemie-Leistungskurs der Braunschweiger Bracke-Gesamtschule, die ein dreitägiges Praktikum im Institut für Organische Chemie der TU Clausthal absolvierten.

„In der Schule machen wir meist nur Theorie, hier ist Praxis angesagt“, sagt die 19-jährige Irina Reisler und hantiert mit Becherglas und Magnetrührer. „In diesen Räumen herrscht eine Atmosphäre zum Forschen“, meint Jonas Wylegala (18) respektvoll. Und Edgar Holzer (18) erläutert: „In einem Uni-Labor ist viel mehr möglich als in der Schule, allein schon wegen der höheren Sicherheitsstandards, hier können wir experimentieren und jede Menge ausprobieren.“

Solche Sätze hört Dr. Arne Bohnsack, der Lehrer des Leistungskurses, gern: „Die Schüler sollen die Hochschulreife erlangen. Das geht natürlich am besten, indem sie schon während der Schulzeit in die Universität hineinschnuppern.“ Bereits zum dritten Mal lassen sich Jugendliche der Wilhelm-Bracke-Schule vom Clausthaler Privatdozenten Dr. Andreas Schmidt inspirieren. Die Chemie untereinander stimmt. Seit einem halben Jahr ist die Zusammenarbeit der beiden Bildungseinrichtungen sogar offiziell. Im Rahmen einer Feier wurde in Braunschweig ein Kooperationsvertrag zwischen der Gesamt- und der Hochschule unterzeichnet. „Ich hoffe, dass sich insbesondere mehr junge Mädchen für ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium begeistern lassen“, sagte TU-Vizepräsidentin Dr. Ines Schwarz damals.

Für die Schüler hat sich der Besuch an der TU Clausthal längst ausgezahlt. „Das zeigt sich in besseren Klausur- und Abiturergebnissen“, hat Lehrer Bohnsack beobachtet. Um die Exkursion mit Klassenfahrtcharakter abzurunden, gehört auch eine Fragestunde mit Studierenden dazu. Für die Harzer Uni lohnt sich das Praktikum der Pennäler ebenfalls. Denn unter den aktuellen Erstsemestern sollen auch „Brackianer“ sein, so nennen sich die Schüler aus Braunschweig.

Was sich heute als Symbiose darstellt, ist durch die Initiative von Dr. Bohnsack entstanden, der einst in Clausthal studiert und promoviert hat. An seiner alten Uni stieß er mit dem Wunsch, zu Schülerlaboren anzureisen, bei Dr. Schmidt und Jochen Brinkmann von der Kontaktstelle Schule-Universität auf offene Ohren. Nach dem Chemie-Leistungskurs wollen im März auch Schüler aus dem Physik- und Informatik-Kurs in den Harz fahren. Die TU kommt bei den Jungen und Mädchen der Bracke-Schule offenbar an. „In Clausthal“, sagt ihr Lehrer, „ist man Student - und nicht bloß eine Matrikelnummer.“

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TU Clausthal


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Christian Ernst


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christian.ernst@tu-clausthal.de

Von den Möglichkeiten im Universitätslabor (Institut für Organische Chemie) begeistert: Schüler der Braunschweiger Wilhelm-Bracke-Gesamtschule.