Digitale Fabrik - industrienahes Praktikum mit der Audi AG

Das Problem kennt fast jede Firma. Umzug, Umbau oder Umstrukturierung von Produktionsanlagen oder auch Büroräumen stehen an - doch wie lässt sich das Projekt am besten umsetzen? Früher griffen die zuständigen Planer zu Papier, Schere und Klebstoff oder Modellen aus Legos; heute heißt das Zauberwort „Digitale Fabrik“. Neue oder umzugestaltende Produktionsstätten werden - jeweils am Computer - simuliert und visualisiert. Im Idealfall wird die Fabrik bei diesem Forschungsansatz komplett virtuell aufgebaut, um etwa Fragen hinsichtlich Machbarkeit und Effizienz frühzeitig beantworten zu können.

Von Professor Uwe Bracht ist am Institut für Maschinelle Anlagentechnik und Betriebsfestigkeit (IMAB) der TU Clausthal in diesem Semester erstmals das industrienahe Praktikum „Digitale Fabrik“ in Zusammenarbeit mit der Audi AG angeboten worden. Ziel ist es, den Studenten die digitale Fertigungsplanung am Beispiel des Ingolstädter Automobilherstellers näher zu bringen. Die Aufgabe für die Hochschüler aus den Bereichen Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurwesen und (Wirtschafts-)Informatik besteht darin, eine Anlage zur Fertigung von Karosserieteilen zu entwickeln und zu optimieren.

Anlage wird dreidimensional aufgebaut

Ermöglicht wurde das Praktikum durch eine Zusammenarbeit mit dem Projekt „Virtueller Karosseriebau“ (ViKaB) der Produktionsplanung in Ingolstadt, die Methoden und Werkzeuge zur digitalen Planung künftiger Produktionslinien entwickelt. Im Team um Arno Filter kommt dabei unter anderem eine Planungssoftware zum Einsatz, die auch beim Praktikum in Clausthal genutzt wird. Vom Roboter bis hin zu Förderbändern, Werkzeugen oder Schutzzäunen wird die gesamte Anlage dreidimensional aufgebaut und geplant. Per Mausklick können beispielsweise die Investitionskosten der Anlage ermittelt werden.

„Wird die 'Digitale Fabrik' frühzeitig eingesetzt, muss später in der Praxis deutlich weniger Zeit für die Optimierung der Fertigungsanlagen investiert werden“, sagt Christian Schlange, wissenschaftlicher Mitarbeiter am IMAB. Der Diplom-Informatiker betreut das Praktikum gemeinsam mit Dennis Arnhold. Der 28-jährige Informatikstudent der TU Clausthal hat im Rahmen seiner Diplomarbeit bei der Audi AG ein Handbuch für das Seminar geschrieben. Damit die Teilnehmer möglichst praxisnah und attraktiv an die „Digitale Fabrik“ herangeführt werden, haben die Autobauer digitale Fahrzeugproduktdaten des aktuellen Audi TT-Sportwagenmodells sowie digitale Varianten von Robotern und Maschinen zur Verfügung gestellt. Die Clausthaler Studenten kommen auf diese Weise frühzeitig mit einem möglichen und attraktiven Arbeitgeber in Kontakt.

Forscher spazieren durch virtuelle Hallen

Der Bereich für Anlagenprojektierung und Materialflusslogistik am IMAB beschäftigt sich unter Professor Bracht seit Jahren mit der „Digitalen Fabrik“. Im Virtual-Reality-Labor des Instituts werden Fabrikanlagen und Produktionsabläufe auf einer 30 Quadratmeter großen Stereo-Projektionsfläche dreidimensional geplant. Noch bevor eine einzige Maschine in der Werkshalle montiert ist, können die Clausthaler Wissenschaftler dank dreier großer Leinwände bereits in „fertigen“ Hallen umhergehen und den Aufbau der Anlagen optimieren. „Die Digitale Fabrik“, sagt Pionier Bracht, „ist eines der wichtigsten Innovationsthemen der Industrie.“

Glücklich sind die Clausthaler darüber, dass der institutseigene Rechner-Pool durch Unterstützung der Audi AG mit einer hochaktuellen Planungssoftware für das Praktikum ausgestattet werden konnte.

Kontakt:


Institut für Maschinelle Anlagentechnik und Betriebsfestigkeit


Dipl.-Inf.


Christian Schlange


Telefon: 05323 - 72 3742


E-Mail: Christian.Schlange@imab.tu-clausthal.de

TU Clausthal


Pressereferent


Christian Ernst


Telefon: 05323 - 72 3904


E-Mail: christian.ernst@tu-clausthal.de

Studierende erleben die "Digitale Fabrik" am Beispiel der Audi AG.