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Einsatz von Pflegebrillen in der häuslichen Intensivpflege erforscht

Clausthal-Zellerfeld. In der westlichen Gesellschaft wird die Bevölkerung immer älter. Im Gesundheitssektor stellen sich dadurch neue Herausforderungen. Mehr als zwei Drittel der Pflegebedürftigen wird zu Hause versorgt. Vor allem in ländlichen Gegenden kann aber keine ausreichende professionelle Pflege für Bedürftige angeboten werden. Einen Lösungsansatz anhand der Interaktion zwischen Mensch und Computer erforscht Professor Michael Prilla im Projekt „Pflegebrille“ am Institut für Informatik der TU Clausthal.

Eine mögliche Darstellungsform: Patienteninformationen werden mit Hilfe der Pflegebrille sichtbar. Foto: Projekt Pflegebrille

Eine mögliche Darstellungsform: Patienteninformationen werden mit Hilfe der Pflegebrille sichtbar. Foto: Projekt Pflegebrille

Kooperationspartner sind Pflegedienste, Softwareentwickler und Hochschulen. Die Pflegebrille wird von Professor Prilla, der die Abteilung Human-Centered Information Systems leitet, als digitale Anwendung in der häuslichen Intensivpflege entwickelt. Sogenannte Augmented-Reality-Brillen (AR-Brille), mit denen digitale Inhalte in die Realität eingeblendet werden, sind seit einigen Jahren auf dem Markt. Mit der AR-Brille kann die Zusammenarbeit professionell Pflegender (Mitarbeiter von Pflegediensten) und informell Pflegender (Angehörige und Freunde) gefördert werden. Die bekanntere Variante der digitalen Brillen ist die Virtual-Reality-Brille. Mit einem solchen Instrument kann die Umwelt aber kaum wahrgenommen werden, da die Augen durch die Brille komplett bedeckt sind. Die Augmented-Reality-Brille dagegen ist offen und lässt den Blick auf die Umgebung frei. Außerdem werden zusätzliche Informationen eingeblendet und direkt vor dem Auge des Nutzers dargestellt.

Ziel des Projektes ist es, wichtige Informationen – beispielsweise den Aufbewahrungsort der Medikamente, die Lebensumgebung und das Krankheitsbild – von der Pflegebrille für den Pflegenden anzeigen zu lassen. Die Brille hat außerdem den Vorteil, freie Hände für die Pflegetätigkeiten zu haben. Angehörige oder Freunde von erkrankten Mitmenschen haben häufig keine ausreichende medizinische Ausbildung, können aber nach einer Anlernphase oder kurzen Ausbildung einfache Pflegetätigkeiten übernehmen. „Laien werden durch die Pflegebrille keine Experten. Informell Pflegende können aber nach erfolgter professioneller Anleitung zur Erinnerung oder Absicherung Standards der Pflege abrufen“, sagt Professor Prilla. „Die zentrale Funktion der Brille ist es, dass sie pflegerische Tätigkeiten begleitet oder anleitet und diese auch dokumentiert.“

Die Pflegebrille erleichtert und verbessert die Pflege, indem sie Pflegekräften individuelle Informationen liefert. Sie kann in der Wohnung der Patienten hinterlegt und von angeleiteten Pflegenden verwendet werden. Neben der Arbeitsentlastung bringt die Brille professionelles und informelles Personal zusammen. Über Anrufe, die über die Sprachsteuerung der Brille erfolgen können, lassen sich auch Ärzte oder Pflegepersonal zuschalten. Per Video kann das Bild der Brille aus der Wohnung des Patienten direkt auf den Bildschirm der professionellen Pflegekraft übermittelt werden. Außerdem ist geplant, dass Barcodes auf medizinischen Geräten von der Brille erfasst werden, um Informationen zu liefern. Dokumentation und Informationsweitergabe von Arbeitsschritten, damit Zeit und Aufwand eingespart werden kann, sind ebenfalls Teil des Projektes.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt seit Mai 2016 mit einer Laufzeit von drei Jahren im Förderschwerpunkt „Pflegeinnovationen zur Unterstützung informell und professionell Pflegender“. Das Projekt Pflegebrille hat zum Ziel, ein marktreifes Produkt zu entwickeln, das für alle Beteiligten nutzbar und nützlich ist. Außerdem möchten die Wissenschaftler erreichen, dass es sich positiv auf die Qualität der Pflege auswirkt. Projektpartner sind das Unternehmen iTiZZiMO AG, die Christophorus Intensivpflegedienste GmbH, der Lehrstuhl Informations- und Technikmanagement am Institut für Arbeitswissenschaften der Ruhr-Universität Bochum, das Zentrum für Telemedizin Bad Kissingen (ZTM) sowie die Hamburger Fern-Hochschule in Essen.

Weitere Informationen zum Projekt: www.pflegebrille.de

Kontakt:
TU Clausthal
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Lena Hoffmann
Telefon: +49 5323 72-3950
E-Mail: lena.hoffmann@tu-clausthal.de

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