Studienordnung für den Diplomstudiengang Wirtschaftsmathematik
 an der Technischen Universität Clausthal,
Fachbereich Mathematik und Informatik.

Vom 31. März 2004 (Mitt. TUC 2004, Seite 299)

 

 

 

Neufassung der Studienordnung für den Diplomstudiengang Wirtschaftsmathematik an der Technischen Universität Clausthal, in der Fassung des Beschlusses des Fachbereichs Mathematik und Informatik vom 31. März 2004

 

I Allgemeines

 

 §1

Ziel des Studiums

Die Mathematik hat bei der Erforschung und Anwendung der Naturgesetze seit jeher eine fundamentale Rolle gespielt. Neben der Behandlung naturwissenschaftlicher und technischer Prozesse durch mathematische Modelle gewinnt aber auch die Erfassung und Analyse wirtschaftlicher und organisatorischer Prozesse eine wachsende Bedeutung. Die gewaltige Steigerung der Leistungsfähigkeit moderner Rechenanlagen hat der Mathematik ungeahnte neue Anwendungsmöglichkeiten erschlossen und sie gleichzeitig vor neue, schwierige Herausforderungen gestellt.

 

In den Wirtschaftswissenschaften werden vermehrt sehr komplexe Modelle zur Abbildung von Geschäftsprozessen, von Logistik-Problemen, Planungsstudien für die Produktion und anderer ökonomischer Prozesse entwickelt. Numerische Methoden können diese Modelle auf den Rechenanlagen in wenigen Sekunden bearbeitet. Die Entscheidungsfindung in der betrieblichen Organisation wird in immer stärkerem Maße durch rechnerische Simulation ergänzt. Aus diesen Gründen besteht ein großer Bedarf an Mathematikerinnen und Mathematikern, die mathematische Methoden und Kenntnisse zur Lösung betriebswirtschaftlicher Probleme einsetzen können.

 

Der Erwerb dieser Fähigkeiten ist das Ziel des Studiengangs Wirtschaftsmathematik. Absolventen sollen in der Lage sein, in enger Zusammenarbeit mit Betriebswirten ökonomische Probleme in mathematische zu übersetzen, diese mit adäquaten Mitteln der Mathematik und Informatik unter Einsatz von Rechenanlagen zu lösen und anschließend die gefundenen mathematischen Ergebnisse betriebswirtschaftlich zu interpretieren. Hieraus ergeben sich die Inhalte des Diplomstudienganges Wirtschaftsmathematik: In Reiner und Angewandter Mathematik sollen die Studierenden fundierte Kenntnisse, die auf Teilgebieten bis an die aktuelle Forschung heranführen, erwerben. In den Wirtschaftswissenschaften sollen sie konkrete Anwendungen der Mathematik in der Wirtschaft kennen lernen und dabei mit der Begriffswelt der Betriebswirte vertraut werden. Die Ausbildung in Informatik soll die Studierenden befähigen, Computer als leistungsfähige Werkzeuge zu nutzen und vorhandene Software effizient einzusetzen.

 

§ 2

Studienvoraussetzungen

Formale Voraussetzung für das Studium der Wirtschaftsmathematik ist die allgemeine oder eine entsprechende fachgebundene Hochschulreife. Für ein erfolgreiches Studium sind Kenntnisse der englischen Sprache erforderlich.

 

 

§ 3

Studienbeginn und Studiendauer

Studienordnung und Studienplan sind so aufgebaut, dass das Studium in der Regel in einem Wintersemester beginnt. Die Regelstudienzeit beträgt einschließlich der Diplomprüfung neun Semester.

 

 

§ 4

Gliederung des Studiums

Der Diplomstudiengang Wirtschaftsmathematik gliedert sich in ein Grundstudium (1. bis 4. Semester), das mit der Diplomvorprüfung endet, und ein Hauptstudium
(5. bis 9. Semester), das mit der Diplomprüfung abgeschlossen wird.

 

§ 5

Modellstudienplan und Studienberatung

Der im Anhang (Anlage 1) aufgeführte Modellstudienplan zeigt eine Möglichkeit auf, wie der Diplomstudiengang Wirtschaftsmathematik sachgerecht und in der vorgesehenen Zeit durchgeführt werden kann.

 

Für einen erfolgreichen Abschluss des Studiums genügt es in der Regel nicht, nur die in der Studienordnung bzw. im Studienplan genannten Lehrveranstaltungen zu besuchen: Die Inhalte der Lehrveranstaltungen müssen in selbständiger Arbeit vertieft und durch Literaturstudien ergänzt werden.

 

Für den Studiengang Wirtschaftsmathematik ist eine Studienberatung durch den Fachbereich vorgesehen. Es wird empfohlen, diese Fachstudienberatung zumindest in folgenden Fällen in Anspruch zu nehmen: bei Beginn des Studiums in einem Sommersemester, vor der Wahl von Studienschwerpunkten, nach nicht bestandenen Prüfungen, sowie bei Studienfach-, Studiengang- oder Hochschulwechsel.

 

Die allgemeine Studienberatung der Hochschule sollte bei Beginn des Studiums und vor einem Studium im Ausland in Anspruch genommen werden:


 

 

II Grundstudium (1. bis 4. Semester)

 

§ 6

Lehrveranstaltungen im Grundstudium

 

Das Grundstudium besteht aus Pflichtlehrveranstaltungen und Wahlpflichtveranstaltungen. Die Lehrveranstaltungen verteilen sich stundenmäßig in Semesterwochenstunden (SWS) gemäß folgender Tabelle auf die einzelnen Gebiete. Dabei ist ein Gesamtumfang von 45 SWS für Mathematik, von 23 SWS für Informatik und 15 SWS für die Wirtschaftswissenschaften vorgesehen.

 

Grundstudium Wirtschaftsmathematik

 

 

Vorlesung
SWS

Übung
SWS

Praktium
SWS

Summe
SWS

Mathematik

Lineare Algebra und
Diskrete Strukturen I-III

9

4

-

13

Analysis I-III

12

6

-

18

Numerik I

4

2

-

6

Stochastik I

4

2

-

6

Seminar

-

2

-

2

Summe: 45 SWS

Informatik

Informatik I-IV

14

6

-

20

Programmierkurs

-

3

-

3

Summe: 23 SWS

Wirtschafts-

wissenschaten

Einführende Veranstaltungen zur Betriebswirtschaftslehre

8

-

-

8

Investition und

Finanzierung

3

-

-

3

Unternehmens
rechnung I a+b

4

-

-

4

Summe: 15 SWS

 

83

               

 Der Anhang (Anlage 1) enthält einen Modellstudienplan.

 

 

§ 7

Diplomvorprüfung

Durch die Diplomvorprüfung sollen die Studierenden nachweisen, dass sie sich die allgemeinen Fachgrundlagen angeeignet haben, die erforderlich sind, um das weitere Studium mit Erfolg zu betreiben. Die Diplomvorprüfung besteht aus fünf Fachprüfungen in folgenden Prüfungsfächern:

 

Lineare Algebra und Diskrete Strukturen, Analysis, Angewandte Mathematik, Informatik und Wirtschaftswissenschaft.

 

Die Prüfung in Angewandter Mathematik umfasst die Fächer Numerik I und Stochastik I. Die einzelnen Fachprüfungen können studienbegleitend abgelegt werden, sobald die für die jeweilige Fachprüfung erforderlichen Leistungsnachweise vorliegen.

 

Alle Bestimmungen über diese Prüfung sind der Diplomprüfungsordnung Wirtschaftsmathematik zu entnehmen, ein Prüfungsplan findet sich in der Anlage 2.

 

 

III Hauptstudium (5. bis 9. Semester)

 

§ 8

Lehrveranstaltungen im Hauptstudium

Während des Hauptstudiums vertiefen die Studierenden ihre im Grundstudium gewonnenen Kenntnisse; sie werden dabei bis an aktuelle Forschungsfragen herangeführt. Im Hauptstudium sind Lehrveranstaltungen vorgesehen, deren Gesamtstundenzahl sich gemäß folgender Tabelle auf die einzelnen Fächer verteilt. Dabei kann die Studienarbeit (bzw. das Praktikum oder Projekt) in einem der drei beteiligten Fächer gewählt werden.

 

 

Vorlesung und
Übung

SWS

Hauptseminar
 

SWS

Studienarbeit/
Praktikum/
Projekt
SWS

Summe
 

SWS

Mathematik

42

2

4

48

Informatik

12

-

*

12

Wirtschafts-
wissenschaften

18

2

*

20

Summe

 

 

 

80

 

Anlage 1 enthält einen Modellstudienplan. Die Wahl der Studienschwerpunkte und der Wahlpflichtveranstaltungen sollte frühzeitig mit den betroffenen Lehrenden bzw. der Fachstudienberatung abgestimmt werden.

 

 

§ 9

Wahlveranstaltungen

Für die berufliche Tätigkeit können auch Kenntnisse nützlich sein, die über das Fachstudium hinausgehen. Es wird den Studierenden empfohlen, dafür das breite Angebot der Hochschule in Eigeninitiative zu nutzen. Insbesondere wird ein Industriepraktikum während des Studiums dringend empfohlen. Ferner werden Exkursionen zu Industriebetrieben bzw. Großforschungseinrichtungen angeboten.

 

§ 10

Diplomprüfung

Die Diplomprüfung bildet den Abschluss des Diplomstudienganges Wirtschaftsmathematik. Sie besteht aus der Diplomarbeit sowie aus fünf mündlichen Fachprüfungen in folgenden Prüfungsfächern:

 

Reine Mathematik, Operations Research, Stochastik, Informatik und Wirtschaftswissenschaften.

 

Der Stoff der Prüfungen sollte frühzeitig mit dem Prüfer oder der Prüferin abgestimmt werden. Die einzelnen Fachprüfungen können studienbegleitend abgelegt werden, sobald die Diplomvorprüfung im Studiengang Wirtschaftsmathematik bestanden ist und die für die jeweiligen Fachprüfungen erforderlichen Leistungsnachweise vorliegen. Alle Bestimmungen über diese Prüfung sind der Diplomprüfungsordnung Wirtschaftsmathematik zu entnehmen, ein Prüfungsplan findet sich in der Anlage 2.

 

 

IV Schlussbestimmungen

 

§ 11

Inkrafttreten

Diese Studienordnung tritt am Tage ihrer hochschulöffentlichen Bekanntgabe im Verkündungsblatt in Kraft.

 

Anlage 1

Modellstudienplan Wirtschaftsmathematik

 

Wirtschaftsmathematik
Modellstudienplan (Grundstudium)

 

1. Semester  WS

2. Semester SS

3. Semester WS

4. Semester SS

Mathematik

Lineare Algebra und
Diskrete Strukturen I
4 V, 2 Ü

Lineare Algebra und
Diskrete Strukturen II
3 V, 1 Ü

Lineare Algebra und
Diskr. Strukturen III
2 V, 1 Ü

Numerik I



4 V, 2 Ü

Analysis I
4 V, 2 Ü

Analysis II
4 V, 2 Ü

Analysis III
4 V, 2 Ü

Seminar
2 Ü

 

 

Stochastik I
4 V, 2 Ü

Stochastik II1)
3 V, 1 Ü

Informatik

Informatik I
4 V, 2 Ü

Informatik II
4 V, 2 Ü

Informatik III
3 V, 1 Ü

Informatik IV
3 V, 1 Ü

Programmierkurs I
3 V/Ü

 

 

 

Wirtschafts
wissen-
schaften

Einführung i.d.
BWL
2 V/Ü

Produktion

2 V/Ü

Investition u.
Finanz.
3 V/Ü

Unternehmens-
rechnung Ib




2V /Ü

Unternehmens-
führung
2 V/ Ü

Marketing

2 V / Ü

Unternehmens-
rechnung Ia
2 V / Ü

Summe

16 V, 9 Ü

15 V, 5 Ü

18 V, 6 Ü

9 V, 5 Ü

 

1)Diese Veranstaltung zählt prüfungs- und stundenmäßig zum Hauptstudium.


 

 

Wirtschaftsmathematik
Modellstudienplan (Hauptstudium)

 

 

Mathematik

 

Stochastik III

(3V, 1 Ü)

Wahlpflicht
Stochastik/OR
(3V, 1 Ü)

Wahlpflicht
Stochastik/OR
(3V, 1 Ü)

 

Operations
Research I
(4 V, 2 Ü)

Operations
Research II
(3V, 1Ü)

Operations
Research III
(3V, 1Ü)

 

Wahlpflicht Numerik
(3V, 1Ü)

 

Studienarbeit/
Projekt/

Praktikum
(4P)

Haupt-
seminar
(2S)

Wahlpflicht
reine

Mathematik
(3V, 1Ü)

Wahlpflicht
reine

Mathematik
(3V, 1Ü)

 

 

Informatik

 

Wahlpflicht
(3V, 1Ü)

Wahlpflicht
(3V, 1Ü)

Wahlpflicht
(3V, 1Ü)

 

Wirtschafts-
wissen-schaften

VWL

(4V/Ü)

Wahl-

pflichtfächer
 (8V/Ü)

Wahl-
pflichtfächer
(6V/Ü)

Haupt-
seminar
(2S)

 In diesen Tabellen bedeuten: SWS Semesterwochenstunden, OR Operations Research, BWL Betriebswirtschaftslehre, VWL Volkswirtschaftslehre

 

Pflichtveranstaltungen:

Die im Musterstudienplan namentlich aufgeführten Veranstaltungen sind Pflichtveranstaltungen, in einigen davon sind als Prüfungsvoraussetzung Leistungsnachweise (´Scheine´) zu erbringen, vgl. Prüfungsplan in Anlage 2.

 

 

Wahlpflichtveranstaltungen:

Die im Musterstudienplan aufgeführten Wahlpflichtveranstaltungen im Hauptstudium sind aus den folgenden Gebieten zu wählen:


 

 

Wahlpflichtfach "Reine Mathematik" z.B. aus den Gebieten:

Funktionentheorie,

Funktionalanalysis,

Differentialgleichungen,

Zahlentheorie,

Funktionalgleichungen,

Algebra,

Topologie,

Logik,

Geometrie

 

Wahlpflichtfach "Operations Research / Stochastik" z.B. aus den Gebieten :

Stochastische Modelle des OR,

Stochastische Optimierung,

Produktionsplanung,

Simulation,

Entscheidungstheorie,

Spieltheorie,

Finanzmathematik,

Versicherungsmathematik

 

Wahlpflichtfach "Numerik" z.B. aus den Gebieten:

Numerik II,

Optimale Steuerung

 

Wahlpflichtfach "Informatik" aus den Gebieten:

Praktische/Angewandte, Technische oder Theoretische Informatik,

Wirtschaftsinformatik

 

Wahlpflichtfach "Wirtschaftswissenschaften" z.B. aus den Gebieten:

 

Wahlpflichtblock 1 (Schwerpunktfächer)

 

Aus diesem Block sind vier Fächer (8 SWS) auszuwählen

 

Entscheidung und Organisation I

Marktforschung

Operations Management I

Personal- und Führungsorganisation

Projektmanagement und Projektplanung I

Unternehmensrechnung II

 

Wahlpflichtblock 2

 

Aus diesem Block sind drei Fächer (6 SWS) auszuwählen. Die Liste der möglichen Fächer wird ständig aktualisiert und per Aushang im Institut für Wirtschaftswissenschaften bekannt gegeben.

 

Entscheidung und Organisation II

Internationales Management

Management Consulting

Moderne Heuristiken in Theorie und Praxis

Projektmanagement und Projektplanung II

Umweltmanagement und –planung

Umweltrechnungswesen

Wissensmanagement

 


 

Anlage 2

 

Prüfungsplan Wirtschaftsmathematik

 

Dieser Plan gibt nur eine schematische Übersicht über die abzulegenden Prüfungen und die zu erbringenden Vorleistungen. Die genauen Prüfungsbedingungen finden sich in der Diplomprüfungsordnung Wirtschaftsmathematik.

 

 

Diplomvorprüfung

 

Diplomvorprüfung

 

Analysis

Lineare
Algebra
und Diskr. Strukturen

Stochastik/
Numerik

Informatik

Wirtschafts-
wissensch.

Summe

Leistungsnachweise

Analysis I oder
Analysis II
oder Analysis III

Lineare Algebra und
Diskrete Strukturen
I oder II
und

Lineare Algebra und
Diskrete Strukturen III*

Stochastik I
oder

Numerik I

Informatik I oder II und
Informatik III oder IV*
und
Programmierkurs I*

 

 

 

1

2

1

3

 

7

 

Seminar*

1

Prüfungen

Analysis



18 SWS
3. Sem.

Lineare Algebra
und Diskrete Strukturen
10 SWS
2. Sem.

An
gewandte Mathematik

12 SWS
4. Sem.

Informatik



12 SWS
2. Sem.

Wirtschafts-
wissen-
schaften

15 SWS
2.+4. Sem.

5

                     

 

* Diese Leistungsnachweise sind keine Vorleistungen für die jeweilige Fachprüfung, sie müssen zum letzten Prüfungsabschnitt vorliegen.


 

 

Diplomprüfung

 

Reine
Mathematik

Operations
Research

Stochastik/
Numerik

Infor-

matik

Wirtschafts-
wissensch
.

Summe

Leistungsnachweise

Wahlpflicht

Operations
Research I

Stochastik
II
und
Numerik
Wahlpflicht*

 

Wahlpflicht

VWL

 

1

1

2

1

1

6

 

Hauptseminar*

 

Hauptseminar

2

 

Studienarbeit, Praktikum oder Projekt*

1

Prüfungen

Reine
Mathematik
8 SWS

Operations
Research
8 SWS

 

Stochastik

8 SWS

Informatik

8 SWS

Wirtschafts-
wissenschaften
12 SWS

5

Diplomarbeit:
Mathematisch orientiertes Thema aus einem für die Wirtschaftsmathematik relevanten Wissensgebiet. Bearbeitungsdauer: 6 Monate

 

* Diese Leistungsnachweise müssen erst zur Meldung zum letzten Prüfungsabschnitt vorliegen.

 

 

 


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Letzte Änderung: 12. August  2004  -  Dez.5 - I. Neuse