Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion
und die Einführung des EURO
 
 

Quellen:
Europäische Kommission, Informationsprogramm für die Bürger Europas im WWW,
Deutsche Bundesbank, Informationsbrief zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, Nr. 5, April 1997.
Der Text dient der unverbindlichen Information. Rechtliche Gewähr wird nicht übernommen.
 
 

INHALT:

1. Zusammenhänge

1.1. Geschichte

1.2. Verwirklichung

1.3 Europa und die Welt

2. Der Übergang zum EURO

2.1. Zeitplan

2.2. Der Rechtsrahmen des EURO

2.3. Rechtsordnung und Verträge

2.3.1. Die Rechtsordnung

2.3.2. Kontinuität der Verträge

2.4. Die dreijährige Übergangszeit (1. Januar 1999 bis 31. Dezember 2001)

2.4.1. Gleichwertigkeit

2.4.2. Fortgeltung der nationalen Währungseinheiten

2.4.3. Ersetzung der ECU

2.4.4. Geschäftliche Verwendung des EURO

2.4.5 Der EURO im unbaren Zahlungsverkehr

2.4.6. Wahlfreiheit

2.4.7. Gebühren für die Umstellung

2.5. Die Schlussphase (ab 1. Januar 2002)

3. Umrechnung und Rundung

4. Aspekte und Probleme zum EURO

4.1. Praktische Aspekte

4.2. Psychologische Aspekte

4.3. Erleichterung des Übergangs zum EURO

4.3.1. Die doppelte Preisauszeichnung

4.4.2. Verbraucherschutz

4.3.3 Die lokalen Beobachtungsstellen

4.3.4. Projekte

Anhang: Umrechnungs- und Rundungsregeln
 
 
 
 

1. Zusammenhänge

1.1. Geschichte

Die Europäische Gemeinschaft, die ursprünglich wirtschaftlich ausgerichtet war, hat ihren Tätigkeitsbereich ausgeweitet. Konkret begonnen hat das europäische Aufbauwerk 1951, als der Vertrag über die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) unterzeichnet wurde. 1957 unterschrieben sechs Staaten (Belgien, Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Frankreich und Italien) die Römischen Verträge; diese beinhalteten gemeinsame Wirtschaftspolitiken vor allem im Bereich der Landwirtschaft, die 1968 verwirklichte Zollunion und EURATOM für den Bereich der Kernenergie. Danach befaßte sich die Europäische Gemeinschaft schrittweise auch mit anderen Fragen. Die Einheitliche Europäische Akte von 1986 sah z. B. die Freizügigkeit von Personen, Waren, Kapital und Dienstleistungen vor. 1993 trat der Vertrag über die Europäische Union (Maastrichter Vertrag) in Kraft, mit dem die Pfeilerstruktur eingeführt wurde: Der erste Pfeiler ist die Europäische Gemeinschaft, der zweite die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und der dritte die Innen- und Rechtspolitik. 1997 wurde der EG-Gründungsvertrag in Amsterdam erneut geändert. Zu den wichtigsten dort behandelten Fragen zählen die Verbraucherpolitik, Beschäftigung, Wachstum und die Freizügigkeit von Personen.

Die eigentliche Geschichte der europäischen Währungsunion beginnt 1968 mit dem Werner-Bericht, der bereits die schrittweise Schaffung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) vorsah; 1979 wurde das Europäische Währungssystem (EWS) eingeführt, in dessen Rahmen alle beteiligten Währungen untereinander durch bilaterale Wechselkurse bestimmt waren, wobei sie im Verhältnis zueinander im Rahmen festgelegter Bandbreiten schwanken konnten. Zentrales Element des EWS war der als Währungskorb definierte ECU, der sich aus allen, mit festen Prozentsätzen beteiligten Währungen zusammensetzt. 1989 schuf der Delors-Bericht die Grundlagen für den EURO; der Vertrag von Maastricht (1992) stellt die Rechtsgrundlage der EWWU und der einheitlichen Währung dar.
 
 

1.2. Verwirklichung

Der Vertrag von Maastricht sieht für die Verwirklichung der EWWU drei Stufen vor:

Die erste Stufe begann am 1. Juli 1990 und war durch den freien Kapitalverkehr gekennzeichnet, die zweite Stufe (1. Januar 1994) war eine Vorbereitungsphase für die einheitliche Währung und führte zur Errichtung des Europäischen Währungsinstituts. Die wichtigsten Elemente der dritten Stufe ab 1. Januar 1999 sind die Europäische Zentralbank und die einheitliche Währung: der EURO.

Die im Maastrichter Vertrag festgelegten wichtigsten Konvergenzkriterien sind folgende:
eine Inflationsrate von maximal 1,5% über dem Durchschnitt der drei Mitgliedstaaten, die den niedrigsten Zinssatz erzielt haben; ein Haushaltsdefizit von höchstens 3% und ein öffentlicher Schuldenstand von höchstens 60% des Bruttoinlandsprodukts (das Bruttoinlandsprodukt ist der Geldwert aller im Inland jährlich erzeugten Güter und in Anspruch genommenen Dienste); ein langfristiger Zinssatz von höchstens 2% über dem Durchschnitt der drei Mitgliedstaaten mit der niedrigsten Inflationsrate; Einhaltung der normalen Bandbreiten des EWS seit mindestens zwei Jahren ohne starke Spannungen oder Abwertung. Die sekundären Konvergenzkriterien sind die Integration der Märkte, die Zahlungsbilanz, die Lohnkosten und Preisindizes sowie die Entwicklung des ECU.

Nicht alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) werden am 1. Januar 1999 an der EWWU teilnehmen, aber alle (mit Ausnahme von Dänemark und dem Vereinigten Königreich) haben beschlossen, sobald wie möglich der EWWU beizutreten. Die jetzt an der EWWU teilnehmenden Länder haben einen Wachstums- und Stabilitätspakt beschlossen, während die übrigen Länder ihren Konvergenzprozeß verstärken müssen.
 
 

1.3 Europa und die Welt

Die Europäische Union (EU) nimmt aufgrund ihrer Bevölkerungszahl, ihres Bruttoinlandsprodukts und ihres Handelsvolumens einen bedeutenden Platz ein. Die Zahlen belegen ihre wichtige Rolle auf internationaler Ebene als Handelspartner und große Wirtschaftsmacht; diese Rolle soll durch die Einführung des EURO gestärkt werden. Am Ende des Übergangsprozesses zum EURO werden zahlreiche Vorteile erwartet:

So soll die einheitliche Währung eine Verringerung der Unternehmenskosten sowohl hinsichtlich der Entwicklungsstrategien als auch des Handels innerhalb der EU mit sich bringen. Sie soll den Touristen und Grenzgängern das Leben erleichtern. Dank des europäischen Wettbewerbs und der Möglichkeit des Preisvergleichs auf Gemeinschaftsebene könnten die Preise spürbar sinken. Dank sanierter Haushalts- und Währungspolitiken wird erwartet, daß Zinssätze und Preise relativ niedrig und stabil sind. Die Inflation und die Haushaltsungleichgewichte sollen durch die Koordinierung der Wirtschaftspolitiken und die gemeinsame Währungspolitik begrenzt werden. Die Senkung der finanziellen Kosten für langfristige Investitionen und der Zinssätze kann die Markttransparenz, die Investitionstätigkeit der Unternehmen und die Steigerung der Kapitalrentabilität fördern. Es werden auch weltwirtschaftliche und weltpolitische Vorteile erhofft. Die EURO-Zone soll ein Pol der Stabilität mit einer Währung von internationaler Bedeutung sein.

Der Übergang zur einheitlichen Währung kann jedoch auch einige Nachteile mit sich bringen:
Die Umrechungs- und Rundungsregeln, die für die Gewährleistung neutraler Operationen notwendig sind, führen zu komplexen Berechnungen. Manche Verträge könnten durch den Übergang zum EURO beeinträchtigt werden. Man muß darauf achten, daß die "EURO-Klauseln" die Gemeinschaftsvorschriften beachten. Die Ablösung der nationalen Währungseinheiten durch den EURO kann manchen Verbrauchern auch große Schwierigkeiten bereiten oder zu einer weniger guten Einschätzung des Wertes von Gütern und Dienstleistungen führen. Wichtig ist ebenso, daß die Verbraucher zwischen Januar 1999 und Dezember 2001 Zugang zur EURO-Dynamik finden, um zu vermeiden, daß sie sich am 1. Januar 2002 ohne echte Anpassungsfrist im EURO-"Universum" wiederfinden.
 
 

2. Der Übergang zum EURO

2.1. Zeitplan

Der EURO wurde am 1. Januar 1999 eingeführt. Dieses Datum wurde für die unwiderrufliche Festlegung der Umrechnungskurse zwischen EURO und nationalen Währungseinheiten, das Inkrafttreten der Gesetze über den EURO und die Umstellung des Währungs- und Devisenmarktes vorgeschrieben.

Während der Übergangszeit (1. Januar 1999 - 31. Dezember 2001) nimmt die Europäische Zentralbank ihre Arbeit auf, neue öffentliche Emissionen werden nur noch in EURO ausgegeben; die Finanzmärkte und auch die Banken und zahlreiche Unternehmen werden auf den EURO umstellen. In der Praxis kann der EURO jedoch zunächst nur in schriftlicher Form verwendet werden, nämlich bei Rechnungen und Überweisungen, gegebenenfalls auf entsprechenden Bankkonten und – bei entsprechender Umstellung – in der betrieblichen Buchführung.

Vom 1. Januar 2002 bis zum 30. Juni 2002 folgt die Phase des doppelten Umlaufs; die EURO-Münzen und -Banknoten werden ebenso wie die nationalen Münzen und Banknoten gesetzliches Zahlungsmittel sein, letztere werden jedoch schrittweise eingezogen; bei Löhnen und Gehältern, Versorgungsunternehmen und im Einzelhandel wird nur noch in EURO gezahlt. Die wichtigste praktische Konsequenz daraus ist, daß ab dem Abend des 31. Dezember 2001 Verträge, Schecks, Überweisungen usw. auf EURO lauten werden. Spätestens zum 1. Juli 2002 wird die Umstellung der Verwaltungen und Versorgungsunternehmen abgeschlossen sein, und die nationalen Münzen und Banknoten werden ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel verlieren. Folglich werden nur noch EURO-Banknoten und -Münzen im Umlauf und die Geldautomaten umgestellt sein.
 
 

2.2. Der Rechtsrahmen des EURO

Der Vertrag über die Europäische Union (der am 7. Februar 1992 unterzeichnete und am 1. November 1993 in Kraft getretene Vertrag von Maastricht) ist der Gründungstext für die einheitliche Währung; er sieht die Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion vor und legt den Zeitplan für die Durchführung ihrer Etappen fest. Darüber hinaus bestimmt er die Konvergenzkriterien, welche die Mitgliedstaaten für die Teilnahme an der EWWU einhalten mußten.

1995 beschloß der Europäische Rat von Madrid, daß die neue Währung EURO heißen soll, und er legte die Daten für die Übergangsphase (vom 1. Januar 1999 bis zum 31. Dezember 2001) und für die Endphase (vom 1. Januar 2002 bis spätestens 1. Juli 2002) fest. Der Europäische Rat von Brüssel (Mai 1998) legte den Kreis der Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Portugal und Finnland) fest.

Die Einführung des EURO wird durch Verordnungen des Rates geregelt. Die Verordnung Nr. 974/98 vom 3. Mai 1998 stellt gewissermaßen das Währungsgesetz der EU dar, das nur auf die teilnehmenden Mitgliedstaaten Anwendung findet. Mit dem deutschen Euro-Einführungsgesetz wurden das nationale Währungsrecht und zahlreiche weitere Vorschriften, z. B. das Aktien- und Handelsrecht, daran angepaßt. Es gibt ferner Empfehlungen der Kommission zu "Bankentgelten im Zusammenhang mit der Umstellung auf den EURO", "zur doppelten Angabe von Preisen und sonstigen Geldbeträgen" und "zu Dialog, laufender Beobachtung und Information zur Erleichterung des Übergangs zum EURO".
 
 

2.3. Rechtsordnung und Verträge

2.3.1. Die Rechtsordnung

Das Fortbestehen der nationalen Währungseinheiten in der Übergangszeit hat zur Folge, daß die nationale Rechtsordnung im Grundsatz erst am Ende der Übergangszeit auf die neue Währung umgestellt wird. Das nationale Währungsrecht bleibt in der Übergangszeit mit Modifikationen grundsätzlich in Kraft. Erst nach dem Ende der Übergangszeit ist in allen Rechtsinstrumenten jede Bezugnahme auf die DM kraft Gesetzes als Bezugnahme auf den EURO entsprechend dem jeweiligen Umrechnungskurs zu verstehen. Eine formelle Anpassung bestehender Rechtsinstrumente - etwa die ausdrückliche Umschreibung von Urkunden und Verträgen - ist dazu rechtlich nicht erforderlich. Für den Bereich der Gesetzgebung ist allerdings eine Rechtsbereinigung (d. h. eine förmliche Ersetzung der DM durch den EURO) angezeigt. Dort, wo die Rechtsordnung auf die Verwendung glatter "Signalbeträge" angewiesen ist, liegt darüber hinaus eine Anpassung von durch die Umrechnung entstehenden "krummen" EURO-Beträgen nahe.
 
 

2.3.2. Kontinuität der Verträge

Eine im Zusammenhang mit dem Übergang auf den EURO intensiv diskutierte Frage betrifft die Kontinuität von Verträgen. Der Übergang auf den EURO darf - für sich genommen - die Kontinuität der vertraglichen Rechtsverhältnisse nicht beeinträchtigen. Nach deutschem Rechtsverständnis wäre der Übergang auf den EURO ohnehin kein Anlaß für die Anwendung der nach unserer Rechtsordnung geltenden Grundsätze über den "Wegfall der Geschäftsgrundlage".

Die entsprechende Verordnung stellt insofern klar: "Die Einführung des EURO bewirkt weder eine Veränderung von Bestimmungen in Rechtsinstrumenten oder eine Schuldbefreiung, noch rechtfertigt sie die Nichterfüllung rechtlicher Verpflichtungen, noch gibt sie einer Partei das Recht, ein Rechtsinstrument einseitig zu ändern oder zu beenden".

Vertragliche Leistungspflichten bleiben mithin von der Umstellung von den nationalen Währungen auf den EURO unberührt. Aufgrund des Prinzips der Vertragskontinuität dürfen sich die Vertragspartner nicht auf die Einführung des EURO berufen, um einen Vertrag zu ändern oder zu beenden. Der Kontinuitätsgrundsatz gilt jedoch nur, wenn der Vertrag keine Klausel enthält, welche die Möglichkeit seiner Neuaushandlung oder Auflösung vorsieht. Die mit dieser Ausnahmeregelung verbundene Gefahr eines Mißbrauchs wird durch eine Richtlinie über mißbräuchliche Klauseln vermieden.
 
 

2.4. Die dreijährige Übergangszeit (1. Januar 1999 bis 31. Dezember 2001)

2.4.1. Gleichwertigkeit

Die am 1. Januar 1999 beginnende Übergangszeit dient der Vorbereitung der Endphase, die sehr kurz sein soll. Die grundlegende Idee für die Übergangszeit ist die volle Gleichwertigkeit zwischen der Verwendung des Begriffs "EURO-Einheit" und des Begriffs "nationale Währungseinheit". Der EURO wird unter Verwendung der Umrechnungskurse in nationale Währungseinheiten unterteilt, die Untereinheiten des EURO sind. Auf diese Weise werden die Untereinheiten der nationalen Währungen beibehalten. Gleichzeitig wird der EURO in hundert Cent (dezimale Unterteilung) unterteilt; das bedeutet, daß ein Betrag in EURO, in Cent, in Francs oder Centimes ausgedrückt werden kann, wobei es sich lediglich um vier Bezeichnungen für denselben Wert handelt. Wenn ein Verbraucher 1999 einen Scheck in EURO und einen anderen Scheck in einer nationalen Währungseinheit ausstellt, so sind dies Schecks in derselben Währung mit unterschiedlichen Benennungen, also praktisch genau so, als hätte man einen Scheck mit schwarzer Tinte und einen anderen mit blauer Tinte ausgestellt.
 
 

2.4.2. Fortgeltung der nationalen Währungseinheiten

In der Übergangszeit werden die nationalen Rechtsordnungen jedoch im Grundsatz weiterhin auf die nationalen Währungseinheiten abstellen. Diese bleiben als Untereinheiten des EURO bestehen.

Bezugnahmen in rechtlichen Instrumenten (wie Rechtsvorschriften, Verwaltungsakten, gerichtlichen Entscheidungen, Verträgen) auf nationale Währungseinheiten bleiben genauso gültig wie Bezugnahmen auf den EURO. So können in der Übergangszeit Verträge weiterhin in nationaler Währung abgeschlossen und in Gesetzestexten, Verwaltungsakten und gerichtlichen Urteilen die nationale Währung weiter verwendet werden. Das Wertverhältnis zum EURO wird durch die festen Umrechnungskurse bestimmt. Die Ersetzung der Währungen der teilnehmenden Mitgliedstaaten durch den EURO in der Übergangszeit ändert nicht die Währungsbezeichnungen in bestehenden Rechtsinstrumenten. Aus einem Darlehen über 100 000 DM wird nach Beginn der Übergangszeit also nicht automatisch ein Darlehen über den entsprechenden EURO-Betrag; ebensowenig wird aus einem DM-Betrag in einem Gesetz kraft Gesetzesfiktion ein EURO-Betrag. Die allgemeine Umstellung der Rechtsordnung findet erst mit Ablauf der Übergangszeit statt.
 
 

2.4.3. Ersetzung der ECU

Die ECU (European Currency Unit) war durch einen Korb fester, durch EG-Verordnung bestimmter Anteile von Währungen der EG definiert. Ab 1. Januar 1999 ist jede Bezugnahme auf die ECU in einem Rechtsinstrument durch eine Bezugnahme auf den EURO zum Kurs 1 EURO für 1 ECU ersetzt.
 
 

2.4.4. Geschäftliche Verwendung des EURO

Mit dem Eintritt in die Stufe 3 steht es den Parteien (Geschäftspartnern) frei, Verträge in EURO abzuschließen. Dies gilt für den kaufmännischen Geschäftsverkehr ebenso wie für Privatpersonen. Bürger und Unternehmen können also schon in der Übergangszeit die Verwendung des EURO frei vereinbaren. Die Finanzmärkte dürften schnell zur EURO-Verwendung übergehen. Ebenso haben zahlreiche Wirtschaftsunternehmen bekundet, daß im administrativen und regulatorischen Umfeld ihrer Geschäftstätigkeit eine rasche Verwendung des EURO ermöglicht wird
 
 

2.4.5 Der EURO im unbaren Zahlungsverkehr

Für den unbaren Zahlungsverkehr ist vorgeschrieben, daß jeder Betrag, der auf die EURO-Einheit oder die nationale Währungseinheit eines bestimmten Mitgliedstaates lautet und innerhalb dieses Mitgliedstaates auf das Konto des Gläubigers zahlbar ist, vom Schuldner entweder in der EURO-Einheit oder in dieser nationalen Währungseinheit gezahlt werden kann. Der Betrag wird dem Konto des Gläubigers in der Währungseinheit seines Kontos gutgeschrieben. Das bedeutet, daß ein Schuldner seine DM-Verbindlichkeit durch eine Überweisung in EURO und ein Schuldner seine EURO-Verbindlichkeit durch eine DM-Überweisung begleichen kann. Die Gutschrift auf dem Konto des Gläubigers erfolgt in DM oder EURO, je nachdem, ob er für die Zahlung ein DM- oder EURO-Konto angegeben hat.
 
 

2.4.6. Wahlfreiheit

Das Nebeneinander von EURO und nationalen Währungen steht auf einer klaren rechtlichen Grundlage:

In der Übergangszeit soll niemand zur Verwendung des EURO gezwungen werden, aber die Verwendung des EURO kann vertraglich frei vereinbart werden (Grundsatz der freien Verwendung ohne Zwang). Die Übergangszeit wird also durch das Prinzip der "Wahlfreiheit" bestimmt, was bedeutet, daß niemand zur Verwendung des EURO verpflichtet werden, aber auch niemand daran gehindert werden kann. Die Parteien (Geschäftspartner) können auch andere Vereinbarungen treffen. So kann zum Beispiel ein Verbraucher sein Bankkonto in einer nationalen Währung führen, während das Unternehmen, in dem er arbeitet, die Überweisung der Löhne in EURO vorgesehen hat. Der Verbraucher kann zum EURO wechseln, wenn die Bank ihm diese Möglichkeit bietet. Ebenso kann die Bank den Verbraucher nicht zur Umstellung seines Kontos auf ein EURO-Konto zwingen.

Ausnahmen vom Prinzip der "Wahlfreiheit" sind allerdings auch vorgesehen:

Wenn ein Unternehmen beschlossen hat, die Löhne in EURO auszuzahlen, müssen die Lohn- und Gehaltsempfänger dies akzeptieren; wenn die staatlichen Behörden keine Steuererklärungen in EURO zulassen, ist der Steuerzahler noch zur Verwendung der alten Bezeichnungen gezwungen, selbst wenn er in EURO bezahlt wird; wenn ein Verbraucher an der Börse Aktien kaufen will, muß er den EURO verwenden, da die gesamten Finanzmärkte ab dem 4. Januar 1999 auf EURO-Basis arbeiten.

Die öffentlichen Haushalte werden europaweit erst mit dem Jahr 2001 auf den EURO umgestellt. Bis dahin enthalten die Haushaltspläne Ansätze in nationalen Währungen und werden auf dieser Basis abgerechnet.
 
 

2.4.7. Gebühren für die Umstellung

Die Verordnungen der Gemeinschaft nehmen nicht ausdrücklich auf die Frage der Gebühren für die Umstellung auf den EURO Bezug. Allerdings ist davon auszugehen, daß die Erhebung von Gebühren untersagt ist, wenn die Transaktionen (Umstellung oder Rückkonvertierung) obligatorisch sind. So könnte man sich vorstellen, daß ein Versicherer einem Kunden die Umstellung eines Kontos ab 1999 in EURO vorschlägt, für diese Transaktion aber Gebühren verlangt. Wenn derselbe Vertrag jedoch Ende 2002 auf den EURO umgestellt wird, ist jede Art von Gebühr verboten, da die Umstellung zu diesem Zeitpunkt obligatorisch ist.

Bei Bankentgelten dürfen in folgenden Fällen keine Gebühren berechnet werden:

- wenn der Inhaber eines Kontos einen Betrag in der anderen Währungsbezeichnung erhält; die Bank ist zur unentgeltlichen Umstellung verpflichtet;

- am Ende der Übergangszeit ist die Umstellung der bestehenden Konten zwangsläufig kostenlos;

- wenn eine Dienstleistung in Rechnung gestellt wird, sind die Gebühren dieselben, unabhängig davon, ob die Dienstleistung in EURO oder in einer anderen Währungsbezeichnung erfolgt.


Abgesehen von diesen drei Fällen sollen keine Gebühren erhoben werden:

- wenn der Inhaber eines Kontos aus eigener Initiative eine andere Währungsbezeichnung verwendet als die, in der sein Konto ausgewiesen ist;

- für die Umstellung eines bestehenden Kontos während der Übergangszeit.


 

2.5. Die Schlussphase (ab 1. Januar 2002)

Die Schlussphase beginnt am 1. Januar 2002. Ab diesem Datum werden EURO-Münzen und -Banknoten in Umlauf gebracht. Am Ende der Übergangszeit ist jede Bezugnahme auf nationale Währungseinheiten als Bezugnahme auf die EURO-Einheit zu verstehen. Die alten Münzen und Banknoten werden jedoch noch für sechs Monate ebenfalls als gesetzliches Zahlungsmittel gelten, es sei denn, daß der nationale Gesetzgeber etwas anderes beschließt, denn es heißt, daß er diese Frist verkürzen kann.

Der doppelte Umlauf bringt praktische Probleme für die Verbraucher mit sich, da diese zwei Geldbörsen brauchen, ebenso auch für die Geschäftsleute, die zwei Kassen führen müssen. Aus diesen Gründen steuert man Lösungen an, die auf eine Verkürzung der Zeit des doppelten Umlaufs auf einige Wochen hinauslaufen:

- Nur Ausgabe von EURO in Automaten;
- Rückgabe von Wechselgeld nur in EURO unabhängig von der Zahlungswährung;
- Sehr rasche Abschaffung der alten Währungseinheit als gesetzliches Zahlungsmittel.


Wahrscheinlich würde eine lange Phase des doppelten Umlaufs keine psychologische Vorbereitung des Verbrauchers auf den EURO gewährleisten, da er dazu neigen würde, seine nationale Währung so lange wie möglich zu verwenden. Die Vorbereitung des Verbrauchers muß in der Übergangszeit erfolgen; das ist die Grundfunktion dieser Phase.
 
 

3. Umrechnung und Rundung

Der Umrechnungskurs ist die konkrete Umsetzung des EURO. Die Umrechnungskurse wurden am 31. Dezember 1998 unwiderruflich festgelegt. Dabei handelt es sich um eine aus sechs signifikanten Ziffern bestehende Zahl, die den Wert eines EURO in nationaler Währung angibt. Bei allen Berechnungen müssen alle sechs Ziffern verwendet werden, wodurch das Prinzip der vollen Äquivalenz eingehalten werden kann. Die Umrechnungsregeln sind Teil des Währungsgesetzes für die EURO-Zone.

Für die Umrechnung einer alten Währungseinheit in eine andere alte Währungseinheit schreibt die Verordnung die sogenannte Dreiecksmethode vor; d.h. daß man ebenfalls den Umrechnungskurs und nicht die bilateralen Umtauschkurse zwischen den alten Währungseinheiten verwendet; diese Lösung ermöglicht die Wahrung einer größtmöglichen Genauigkeit. Man könnte meinen, daß die Umrechnungsregeln das Alltagsleben komplizierter machen; die meisten Bürger erinnern sich jedoch an den Wert von p = 3,14159. Trotzdem läßt sich feststellen, daß die Umrechnung in EURO in einigen Ländern einfacher sein wird als in anderen; so ergibt die Division durch 2 bei der Umrechnung in EURO in Deutschland eine recht einfache grobe Rechenoperation, während die Berechnungen in Spanien oder Österreich komplizierter sind.

Auch für die Rundung gibt es genaue Regeln: Wenn die dritte Stelle nach dem Komma kleiner als 5 ist, bleibt die zweite Stelle unverändert; wenn die dritte Stelle jedoch größer oder gleich 5 ist, wird die zweite um eine Einheit erhöht.

(Zu weiteren Details im Zusammenhang mit Umrechnung und Rundung: siehe Anhang.)
 
 

4. Aspekte und Probleme zum EURO

Die Gewöhnung an den EURO wird für die europäischen Bürger eine Herausforderung, zumal die Währung nicht nur ein bloßes technisches oder wirtschaftliches Instrument, sondern auch Ausdruck der globalen Werte einer Gesellschaft ist.
 
 

4.1. Praktische Aspekte

Die Einführung des EURO bringt zunächst rechnerische Probleme mit sich; vor allem haben die offiziellen Umrechnungskurse eine Genauigkeit von sechs signifikanten Ziffern, was das Rechnen für die Verbraucher kompliziert macht; zweitens gibt es Schwierigkeiten im Zusammenhang mit den Umrechnungs- und Rundungsregeln, wenn man von einem Betrag in EURO auf seine Entsprechung in einer alten Währungseinheit und umgekehrt übergehen will.

Man wird sich auch an eine veränderte Anzahl von Banknoten und Münzen in der Tasche und an eine andere Wertskala der Banknoten und Münzen gewöhnen müssen. So kennt der belgische Verbraucher z. B. nur 5 Münzen, während der französische 9 hat. In einigen Ländern gibt es keine Untereinheiten. In Finnland sind je Einwohner durchschnittlich 21 Banknoten im Umlauf, in Österreich jedoch 51. Die Italiener verwenden Münzen nur für kleine Ausgaben; mit dem EURO werden sie jedoch den hohen Wert der Münzen erkennen müssen. In einigen Ländern verwendet man keine Banknoten mit hohem Wert, und es ist daher wenig wahrscheinlich, daß man einen 500 EURO-Schein verwendet; in Deutschland dagegen benutzt man oft große Scheine. Sehr viele Preise werden unter psychologischen Aspekten festgesetzt (z. B. 99, 199) oder um die Rückgabe von Wechselgeld zu vermeiden.

Es liegt auf der Hand, daß es - von Ausnahmen einmal abgesehen - nicht gleichzeitig in beiden Währungseinheiten einfache oder psychologische Preise geben kann. Die Gefahr einer Störung der Werteskala ist von noch größerer Bedeutung; die Einführung des EURO wird zu einer Division von Preisen und Werten durch manchmal hohe Zahlen führen. Eine schlechte Einschätzung dieser Werte kann einen "Preiseffekt", also eine Kaufzurückhaltung oder umgekehrt einen "Einkommenseffekt", also ein erhöhtes Konsumverhalten auslösen.
 
 

4.2. Psychologische Aspekte

In einigen Ländern besteht außerdem eine starke Verbundenheit zur nationalen Währung, und es ist aus psychologischen und soziologischen Gründen schwierig, auf sie zu verzichten. Währungsinstrumente sind seit jeher sowohl ein Merkmal der Souveränität als auch ein Dienst von allgemeinem Interesse, der als öffentliches Gut betrachtet wird und mit der öffentlichen Ordnung verbunden ist. Die Währung berührt noch zahlreiche andere soziale Aspekte:

Als Tauschmedium ist die Währung ein starkes soziales Band nicht nur zwischen den einzelnen, sondern durch die Besteuerung und Rückverteilung auch zwischen diesen und dem Staat. Schließlich ist die Währung auch ein grundlegendes Element der individuellen Psychologie, das mit frühkindlichen Lernerfahrungen dessen, was einem gehört und was man hergeben kann, zusammenhängt. Der Übergang zum EURO kann außerdem als Verschiebung der nationalen Währungsgewalt in Richtung auf eine technokratische Institution empfunden werden, der die demokratische Legitimität fehlt, da die Legitimität der Währung mit der ihres Herausgebers zusammenhängt, d.h. des Staates und der Zentralbank.
 
 

4.3. Erleichterung des Übergangs zum EURO

Diesen Schwierigkeiten begegnet man durch Informationsmaßnahmen, die sowohl die praktischen als auch die kulturellen und politischen Aspekte aufgreifen. Neben nützlichen, nutzbaren und genutzten Informationen gibt es Gemeinschaftsvorschriften, die die Vertrauensbildung fördern sollen.
 
 

4.3.1. Die doppelte Preisauszeichnung

Die doppelte Preisauszeichnung, d.h. die gleichzeitige Auszeichnung mit je einem Betrag in nationalen Währungseinheiten und in EURO-Einheiten ermöglicht es dem Verbraucher, seine Wertskalen zu überdenken. Sie soll unmißverständlich, leicht erkennbar und gut leserlich sein. Man muß immer die offiziellen Umrechnungskurse verwenden und auf den nächstliegenden Cent runden. Die Kommission regt eine doppelte Preisauszeichnung an, hat sie aber nicht zur Pflicht gemacht.
 
 

4.4.2. Verbraucherschutz

Die Verbrauchervertreter einerseits und der Handel, der Tourismus und das Handwerk andererseits haben unter der Führung der Europäischen Kommission eine Vereinbarung über freiwillige Verhaltensregeln in der Übergangszeit unterzeichnet, um das Vertrauen des Verbrauchers beim Übergang zum EURO zu gewährleisten.
 
 

4.3.3 Die lokalen Beobachtungsstellen

Im Sinne einer besseren Integration der psychologischen und soziologischen Aspekte des Übergangs zum EURO, hat die Kommission innerhalb vorhandener Verwaltungsstrukturen die Schaffung von Beobachtungsstellen für den Übergang zum EURO empfohlen. Jede Beobachtungsstelle soll betroffene Wirtschaftsbereiche, öffentliche Verwaltungen und Bürger sowie Vereine und Verbände umfassen. Die Aufgabe der Beobachtungsstellen soll darin liegen, Informationen über den EURO auf lokaler Ebene zu verbreiten. Außerdem werden sie eine Hilfsfunktion bei der Vermittlung und Prävention von Konflikten auf lokaler Ebene haben. Sie werden ferner als Anlaufstelle für die Bürger fungieren, die so zu den zuständigen Informationsquellen geleitet werden können. Weiterhin sollen sie die Praxis verfolgen und eine regelmäßige Bewertung der Umstellung, der Informationsmaßnahmen und der Handhabung des EURO sowie des Verbraucherschutzes vornehmen.
 
 

4.3.4. Projekte

Viele Vereinigungen und Institutionen sowie eine Expertengruppe über die psychologischen und soziologischen Aspekte des EURO haben die Gefahr einer Ausgrenzung von etwa 30 Prozent der Bevölkerung bei der EURO-Einführung unterstrichen. Die allgemeinen Informationskampagnen sind nämlich nicht geeignet oder reichen nicht aus, um zu verhindern, daß bei Problemgruppen Schwierigkeiten mit dem Berechnen, der Lektüre oder der Akzeptanz entstehen. So wurden z. B. Projekte für benachteiligte und ältere Bevölkerungsgruppen sowie für Blinde und Sehbehinderte vorbereitet.
 
 
 
 
 
 

Anhang: Umrechnungs- und Rundungsregeln

Hintergründe

Beim Übergang zur einheitlichen Währung werden die Währungen der an der Währungsunion teilnehmenden Staaten noch für einen Zeitraum von drei Jahren als nationale Währungseinheiten neben dem EURO fortbestehen. Darüber hinaus können die nationalen Banknoten und Münzen anschließend noch für einen Zeitraum von längstens sechs Monaten als gesetzliche Zahlungsmittel in ihrem jeweiligen Gültigkeitsgebiet genutzt werden.

Für Transaktionen zwischen dem EURO und den nationalen Währungseinheiten sind während dieser Phasen insofern Umrechnungen vorzunehmen. Hierbei sollte ein hinreichend hohes Maß an Präzision gewährleistet sein, um die reibungslose Verwendung des EURO und der nationalen Währungseinheiten im praktischen Wirtschaftsgeschehen zu unterstützen. 1996 haben das Europäische Währungsinstitut und die nationalen Zentralbanken die Verbände des Banken- und Finanzsektors auf europäischer und nationaler Ebene zu der Frage konsultiert, wie sich das erforderliche Maß an Umrechnungspräzision mit vertretbarem Aufwand realisieren läßt. Das Ergebnis der Konsultationen wurde in eine Reihe von Orientierungen umgesetzt, die der Europäischen Kommission als Beitrag des Europäischen Währungsinstituts zur Vorbereitung des Rechtsrahmens für die Einführung des EURO übermittelt wurden.

In der "Verordnung des Rates über bestimmte Vorschriften im Zusammenhang mit der Einführung des EURO" haben diese Orientierungen ihren Niederschlag in den beiden nachstehenden Artikeln gefunden.

Umrechnungs- und Rundungsregeln

Artikel 4

(1) Die Umrechnungskurse werden als ein EURO, ausgedrückt in den einzelnen nationalen Währungen der teilnehmenden Mitgliedstaaten festgelegt. Sie werden mit sechs signifikanten Stellen festgelegt.

(2) Die Umrechnungskurse werden bei Umrechnungen nicht gerundet oder um eine oder mehrere Stellen gekürzt.

(3) Die Umrechnungskurse werden für Umrechnungen sowohl der EURO-Einheit in nationale Währungseinheiten als auch umgekehrt verwendet. Von den Umrechnungskursen abgeleitete inverse Kurse werden nicht verwendet.

(4) Geldbeträge, die von einer nationalen Währungseinheit in eine andere umgerechnet werden, werden zunächst in einen auf die EURO-Einheit lautenden Geldbetrag umgerechnet, der auf nicht weniger als drei Dezimalstellen gerundet werden darf, und dann in die andere nationale Währungseinheit umgerechnet. Es dürfen keine anderen Berechnungsmethoden verwendet werden, es sei denn, sie führen zu denselben Ergebnissen.
 
 

Artikel 5

 Zu zahlende oder zu verbuchende Geldbeträge werden bei einer Rundung, die nach einer Umrechnung in die EURO-Einheit gemäß Artikel 4 erfolgt, auf den nächstliegenden Cent auf- oder abgerundet. Zu zahlende oder zu verbuchende Geldbeträge, die in eine nationale Währungseinheit umgerechnet werden, werden auf die nächstliegende Untereinheit oder, gibt es keine Untereinheit, auf die nächstliegende Einheit oder entsprechend den nationalen Rechtsvorschriften oder Gepflogenheiten auf ein Vielfaches oder einen Bruchteil der Untereinheit oder Einheit der nationalen Währungseinheit auf- oder abgerundet. Führt die Anwendung des Umrechnungskurses zu einem Resultat genau in der Mitte, so wird der Betrag aufgerundet.
 
 

Im folgenden werden die wesentlichen Überlegungen dargestellt, die den vorgesehenen Regelungen zugrunde liegen, und deren praktische Anwendung erläutert. Die dabei benutzten Kursbeispiele entsprechen den zum 31. Dezember 1998 festgelegten und unwiderruflichen Umrechnungskursen.
 
 

Anwendungsbereich der Umrechnungs- und Rundungsregeln

Die Umrechnungs- und Rundungsregeln finden ausschließlich auf Transaktionen Anwendung, bei denen es um reine Umrechnungen zwischen dem EURO und den nationalen Währungseinheiten sowie zwischen den nationalen Währungseinheiten geht. Für Geschäfte, die bis zur vollständigen Einführung des EURO weiterhin in nationalen Währungseinheiten abgewickelt werden, ergeben sich deshalb gegenüber der bisherigen Situation keinerlei Änderungen. Dies betrifft insbesondere Bargeldgeschäfte des täglichen Lebens, bei denen bis zu der um die Jahreswende 2001/2002 vorgesehenen Einführung von EURO-Banknoten und -Münzen ausschließlich mit nationalen Währungseinheiten gezahlt werden kann.

Auch bei bargeldlosen Zahlungen innerhalb der einzelnen Teilnehmerstaaten stellen sich während der Übergangsphase keinerlei Umrechnungs- oder Rundungsprobleme, sofern die Transaktionen in derselben Währungseinheit erfolgen, in der die Konten des Auftraggebers und des Empfängers geführt werden. Es ist in diesen Fällen sichergestellt, daß den Empfängern sowohl bei in DM als auch bei in EURO erteilten Aufträgen stets exakt der in Auftrag gegebene Betrag gutgebracht wird, und zwar unabhängig davon, in welcher Währungseinheit die zwischenbetriebliche Verrechnung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs unter den Banken erfolgt. Dadurch ist es möglich, daß zu Lasten von DM-Konten EURO-Aufträge abgewickelt werden oder EURO-Eingänge dem Begünstigten in DM gutgebracht werden, wenn dessen Konto in DM geführt wird.
 
 

Kein Kontoinhaber ist von daher gezwungen, schon während der Übergangsphase sein Konto auf EURO umzustellen. Falls dies jedoch gewünscht wird, ergeben sich auch daraus keinerlei Probleme für die Abwicklung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. (Unberührt von den Umrechnungs- und Rundungsregeln bleiben ebenso die im Bankensektor, an den Finanzmärkten und in anderen Bereichen der Wirtschaft gebräuchlichen Berechnungs- und Rundungsverfahren für die Ermittlung von Zinsen, Gebühren, Zahlungs- und Lieferverpflichtungen etc.)

Nur wenn die dabei ermittelten Beträge nicht in der dem Basisgeschäft zugrundeliegenden Währungseinheit verrechnet werden sollen, wären für eine dann erforderliche Konversion die Bestimmungen zur Umrechnung und Rundung anzuwenden. Aufgrund der Beschränkung auf Umrechnungen zwischen dem EURO und den nationalen Währungseinheiten sowie zwischen den nationalen Währungseinheiten finden die Regeln im übrigen auch keine Anwendung auf Devisentransaktionen mit Währungen außerhalb der EURO-Sphäre (z. B. unter Beteiligung des US-Dollar oder des japanischen Yen). Für derartige Geschäfte können die bisherigen Gebräuche auch künftig unverändert angewandt werden.
 
 

Anzuwendende Umrechnungskurse

Für Umrechnungen zwischen dem EURO und den nationalen Währungseinheiten sowie zwischen den nationalen Währungseinheiten werden allein die am ersten Tag der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion festgelegten Umrechnungskurse zwischen dem EURO und den Währungen der Teilnehmerstaaten benutzt. Die Kursrelationen sind ausschließlich gegenüber dem EURO definiert, wobei die nationalen Gegenwerte für einen EURO mit jeweils sechs signifikanten Stellen festgesetzt wurden (ein Umrechnungskurs mit sechs signifikanten Stellen ist ein Kurs, der ab der von links gezählten ersten Stelle, die nicht eine Null ist, sechs Ziffern hat. Z. B. 1,95583 DM/EURO; 1936,27 Lire/EURO oder 0,787564 Irische £/EURO):
 

Staat/Währung/Währungsabkürzung (ISO-Code)/Umrechnungskurs 1 EUR =
Deutschland/Deutsche Mark/DEM/1,95583 DEM
Belgien/Belgische Franc/BEF/40,3399 BEF
Finnland/Finnische Mark/FIM/5,94573 FIM
Frankreich/Französische Franc/FRF/6,55957 FRF
Griechenland/Griechische Drachmen/GRD/340,750GRD
Irland/Irische Pfund/IRP/0,787564 IRP
Italien/Italienische Lire/ITL/1936,27 ITL
Luxemburg/Luxemburgische Franc/LUF/40,3399 LUF
Niederlande/Niederländische Gulden/NLG/2,20371 NLG
Österreich/Österreichische Schilling/ATS/13,7603 ATS
Portugal/Portugiesische Escudos/PTE/200,482 PTE
Spanien/Spanische Peseten/ESP/166,386 ESP
Die festgesetzten Umrechnungskurse werden exakt mit den vorgegebenen sechs signifikanten Stellen angewandt, das heißt, sie werden weder gerundet noch um eine oder mehrere Stellen gekürzt. Ausgeschlossen wird ebenfalls die Verwendung von inversen Werten der offiziellen Umrechnungskurse (Kehrwerte, also z. B. 1 EURO / 1,95583 DM/EURO = 0,511292 EURO/DM sind nicht zulässig!).

Bei der Entscheidung, die Umrechnungskurse mit sechs signifikanten Stellen festzusetzen, handelt es sich um einen Kompromiß zwischen der Notwendigkeit einer hinreichend genauen Festlegung der Umtauschrelationen einerseits und technischen Restriktionen andererseits, die sich aus den begrenzten Kapazitäten von Rechneranlagen ergeben, über die der größte Teil der Umrechnungsoperationen abgewickelt werden dürfte. Eine Rolle spielte dabei auch die Überlegung, daß die Festlegung einer größeren Anzahl signifikanter Stellen und die dadurch mögliche höhere Umrechnungsgenauigkeit im Ergebnis keineswegs "gerechter" wäre als die Verwendung von sechs signifikanten Stellen. In Abhängigkeit von der konkreten Festlegung der Umrechnungskurse können die mit sechs signifikanten Stellen definierten Kurse aus Gläubiger- oder Schuldnersicht sowohl günstiger als auch ungünstiger ausfallen als mit sieben oder mehr signifikanten Stellen festgelegte Umtauschrelationen.

Der gefundene Kompromiß entspricht im übrigen der bisherigen Praxis bei der Bestimmung der Leitkurse im Europäischen Währungssystem, die ebenfalls mit sechs signifikanten Stellen definiert waren. Ausschlaggebend für die Regelung, die offiziellen Umrechnungskurse weder zu runden noch zu verkürzen und an ihrer Stelle auch nicht mit inversen Werten zu rechnen, waren die mit derartigen Abweichungen zwangsläufig einhergehenden Umrechnungsungenauigkeiten.

Würde der Umrechnungskurs von 1,95583 DM/EURO beispielsweise auf nur fünf signifikante Stellen verkürzt, ergäbe die Umrechnung eines Betrages von 10 Mio. EURO in DM einen Gegenwert von 19.558.000 DM. Das wären 300 DM weniger als bei der Verwendung des offiziellen Umrechnungskurses. Es ist leicht zu erkennen, daß das Ausmaß der Abweichungen um so größer würde, je stärker die offiziellen Umrechnungskurse verkürzt werden (bei der Verwendung von nur vier signifikanten Stellen beliefe sich die Abweichung im Beispiel bereits auf 8.300 DM).

Auch bei einer Umrechnung von DM in EURO, bei der anstelle einer Division durch den offiziellen Umrechnungskurs eine Multiplikation mit dem inversen Wert von 1,95583 DM/EURO vorgenommen würde, das heißt mit 0,511292 EURO/DM, käme es zu Ungenauigkeiten. Bei der Umrechnung von 10 Mio. DM beliefe sich das Ergebnis bei Verwendung des inversen Wertes auf 5.112.920 EURO, ANSTATT auf 5.112.918,81 EURO bei Anwendung des offiziellen Umrechnungskurses.

Indem stets die offiziellen Umrechnungskurse angewandt werden, sind die Ergebnisse der Umrechnungen eindeutig bestimmt, auch wenn die Konversion zum Beispiel eines DM-Betrags in EURO und die Rückrechnung dieses Betrags in DM nicht immer exakt zum ursprünglichen Ausgangsbetrag führt. Im nächsten Abschnitt wird dieser Aspekt nochmals aufgegriffen.
 
 

Praktische Anwendung der Umrechnungs- und Rundungsregeln

a) Umrechnungen zwischen dem EURO und den nationalen Währungseinheiten

Da für Umrechnungen zwischen dem EURO und den nationalen Währungseinheiten jeweils nur ein einziger Umrechnungskurs zur Verfügung steht, ist bei Umrechnungen in der Praxis wie folgt vorzugehen:
 

- Bei Konversionen von EURO-Beträgen in eine nationale Währungseinheit ist der Ausgangsbetrag mit dem Umrechnungskurs zu multiplizieren.

- Bei Konversionen von auf nationale Währungseinheiten lautenden Beträgen in EURO ist der Ausgangsbetrag durch den Umrechnungskurs zu dividieren.

- Die jeweiligen Ergebnisse sind sodann bei Umrechnungen in EURO auf den nächstliegenden Cent auf- oder abzurunden. Exakt auf einen halben Cent lautende Resultate sind entsprechend der kaufmännischen Rundungsregel stets aufzurunden.

- Bei Umrechnungen von EURO in nationale Währungseinheiten ist analog auf- oder abzurunden (in Deutschland auf den Pfennig als Untereinheit der DM). (Zu beachten ist allerdings, daß in mehreren Ländern aufgrund bestehender Gepflogenheiten oder nationaler Rechtsvorschriften nicht auf die jeweilige Untereinheit der nationalen Währungseinheit zu runden ist, sondern auf die Einheit der nationalen Währung oder einen Bruchteil oder ein Vielfaches der Untereinheit oder der Währungseinheit.)
 

Bezogen auf Umrechnungen zwischen dem EURO und der DM ist demnach bei der Umrechnung von 100 EURO in DM und umgekehrt von 100 DM in EURO unter Verwendung des Umrechnungskurses wie folgt vorzugehen:
- Umrechnung von EURO in DM
100 EURO x 1,95583 DM/EURO = 195,583 DM, gerundet 195,58DM

- Umrechnung von DM in EURO
100 DM / 1,95583 DM/EURO = 51,129188119... EURO, gerundet 51,13 EURO


Die Rückrechnung der Ergebnisse führt in beiden Fällen wieder exakt zu den Ausgangswerten von 100 EURO sowie 100 DM. In der Praxis wird dies allerdings nicht durchgängig der Fall sein. In Abhängigkeit vom konkret festgelegten Umrechnungskurs sowie vom jeweiligen Betrag können die Ergebnisse von Rückrechnungen im Einzelfall durchaus von den Ausgangsbeträgen abweichen. Die Umrechnung von 277,99 DM ergibt beispielsweise 142,13 EURO. Aus der Rückkonversion des EURO-Betrags errechnet sich dagegen ein Gegenwert von 277,98 DM.

Die hier bestehende Inkonsistenz schlägt im Falle der DM bei Rückrechnungen aus dem EURO generell nur mit höchstens einem Pfennig zu Buche, und zwar unabhängig von der Höhe der umzurechnenden Beträge. (Allgemein gilt, daß sich die maximalen Abweichungen bei Rückrechnungen aus dem EURO in eine nationale Währungseinheit nach der Formel bestimmen: plus/minus 0,005 EURO x relevanter Umrechnungskurs (z. B. 0,005 EURO x 1,95583 DM/EURO = 0,0098 DM bzw. 1 Pfennig). Im Fall von Rückrechnungen aus einer nationalen Währungseinheit in den EURO lautet die entsprechende Formel: plus/minus 0,005 nationale Währungseinheiten dividiert durch relevanten Umrechnungskurs.)
 
 

b) Umrechnungen zwischen nationalen Währungseinheiten

Für Umrechnungen zwischen den verschiedenen nationalen Währungseinheiten sind die jeweiligen Ausgangsbeträge zunächst in EURO und anschließend in die gewünschte nationale Währungseinheit umzurechnen sind. Das Zwischenergebnis in EURO darf hierbei für den anschließenden Rechenschritt nicht auf weniger als drei Nachkommastellen gerundet werden.

Die Umrechnung von zum Beispiel 1.000 DM in Französische Franc (FF) ist dementsprechend wie folgt durchzuführen:

1. Schritt:

Umrechnung des Ausgangsbetrages von 1.000 DM in EURO gemäß den vorangegangenen Ausführungen, das heißt durch Division des Ausgangsbetrages mit dem festgesetzten Umrechnungskurs DM/EURO.

1 000 DM / 1,95583 DM/EURO = 511,29188119.. EURO

2. Schritt:

Umrechnung des ungekürzten oder des auf nicht weniger als drei Nachkommastellen gerundeten EURO-Zwischenergebnisses in FF durch Multiplikation des Zwischenergebnisses mit dem Umrechnungskurs FF/EURO:

511,292 EURO x 6,55957 FF/EURO = 3.353,85566... FF, gerundet 3.353,86 FF,
oder
511,29188196 EURO x 6,55957 FF/EURO =3 353,85489... FF, gerundet 3.353,86 FF.
 
 

Im Rahmen des zweiten Schritts kann anstelle der zweiten Alternative auch jedes andere aus dem ersten Schritt abgeleitete Zwischenergebnis in EURO zugrundegelegt werden, soweit es mit mindestens vier Nachkommastellen fortgeführt wird. Nicht statthaft ist allein eine Rundung des Zwischenergebnisses auf weniger als drei Nachkommastellen. Grundsätzlich können zwar auch andere Berechnungsmethoden angewandt werden; sie müssen jedoch zu denselben Ergebnissen führen.
 
 

c) Rundungsprobleme bei der Umrechnung von Dateien (Der Begriff Datei wird hier als Synonym für alle Formen der "Summendarstellung" wie Konten oder Bilanzen benutzt.)
 
 

Im Falle der Umrechnung einer Vielzahl von Einzelbeträgen, die Elemente einer Summe oder eines Saldos darstellen (z. B. bei Dateien, Konten oder Bilanzen), entspricht die Summe der umgerechneten Einzelbeträge allenfalls in Ausnahmefällen dem Ergebnis der Umrechnung der Summe der Ausgangsbeträge.

- Bei der Umrechnung einer aus 100 Einzelbeträgen à 10 DM bestehenden Datei und der Verwendung eines Kurses von 1,95583 DM/EURO bestimmt sich der EURO-Gegenwert der einzelnen Ausgangsbeträge mit jeweils 5,11 EURO. Die Addition aller 100 Einzelbeträge ergibt somit eine Summe von 511 EURO.

- Die Umrechnung der Summe der Ausgangsbeträge von 1 000 DM (= 100 x 10DM) führt dagegen zu einem EURO-Gegenwert von 511,29 EURO. Die maximale Abweichung, die bei Umrechnungen von Dateien auftreten kann, entspricht dem Produkt aus der Anzahl der Einzelposten und der je Einzelposten maximal möglichen Rundungsdifferenz.

Da die maximale Rundungsdifferenz je Einzelposten bei Umrechnungen in den EURO theoretisch 0,5 Cent betragen kann, was bei einem Kurs von 1,95583 DM/EURO knapp einem Pfennig entspricht, wären somit bei einer 100 Posten umfassenden Datei im Extremfall Abweichungen von circa 1 DM möglich. Bei 10 000 Posten beliefe sich die theoretisch maximal mögliche Abweichung demzufolge bereits auf 100 DM. Im Falle von Umrechnungen aus dem EURO in die DM halbieren sich die jeweiligen Werte, da die maximale Rundungsdifferenz je Einzelposten hier auf 0,005 DM begrenzt ist. Um den hier möglichen "Unstimmigkeiten" aus dem Wege zu gehen, wird im unbaren Zahlungsverkehr für die Belastung oder Erkennung von Konten jeweils die Summe der konvertierten Einzelbeträge maßgeblich sein.
 


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Letzte Änderung 05. Februar 2001  - Dez. 5 -  I. Neuse